Als nämlich am 1. August 1167 der Reichshof Eckenhagen durch eine Schenkung von Kaiser Friedrich Barbarossa an den Kölner Erzbischof Reinald von Dassel in den Besitz der Kölnischen Kirche überging, heißt es u. a. in der Urkunde: "... samt allen Leuten, Besitzungen, Silbergruben und allem Zubehör." Im Reichshof Eckenhagen gab es also mit den Silbergruben schon "Industriebetriebe". Die genannten Silbergruben sind die von Wildberg und vielleicht die von Heidberg.
Mit der besonderen Erwähnung der Gruben wird auch ihre Bedeutung und ihr Wert anerkannt. Gleichzeitig kann man daraus schließen, dass die Gruben in Wildberg schon lange Zeit vorher bestanden und die Besiedlung entsprechend früh einsetzte.
Mit dem Bergbau in Wildberg ist nicht nur
das Dorf gleichen Namens verbunden, sondern auch die benachbarten Orte.
Das zeigt zum Beispiel der Name "Bergerhof", der nach Oswald Gerhard als
Bergherren-Hof gedeutet werden kann. Besonders augenfällig ist der
Name ,,Wildbergerhütte", entstanden durch eine Schmelzhütte,
in der die Wildberger Erze ab etwa 1400 aufgearbeitet und geschmolzen wurden.
Möglich wurde dieses durch die damals
aufkommende Ausnutzung der Wasserkraft durch Wasserräder. Die Umstellung
der alten Rennöfen auf Stücköfen brachte bei höheren
Temperaturen viel mehr und bessere Qualität der Metalle. Die notwendigen
großen Blasebälge und die Pochwerke zum Zerkleinern der Erze
wurden mit Wasserkraft betrieben.
So kam es zu einer entscheidenden Standortverlagerung:
Die Erze wurden nicht mehr in kleinen Schmieden bei der Grube geschmolzen,
sondern ins Tal zur Wildberger Schmelzhütte gebracht, um dort mit
der vorhandenen Wasserkraft weiterverarbeitet zu werden. Der Bergbau hat
viele Jahrhunderte den Bewohnern unserer Heimat Arbeit und Brot gegeben.
Außerdem versuchten und vermochten sich unsere fleißigen Vorfahren
durch eine Nebenarbeit auf dem Felde oder im Walde einen zusätzlichen
Erwerb zu erarbeiten, um die tägliche Not zu lindern.
Um so schlimmer und verheerender muss sich die teilweise oder auch vollständige Einstellung des Bergbaus auf die Menschen ausgewirkt haben. Das mag sich zum ersten Mal im Mittelalter ereignet haben, als sich die allmähliche Erschöpfung der im Tagebau mit den damaligen primitiven technischen Hilfsmitteln erreichbaren Erzvorräte auszuwirken begann. Der anstelle des nicht mehr lohnenden Tagebaus aufkommende Stollenbetrieb brachte dann wieder neuen Aufschwung.
Aber schon die Zeit der Reformation (1517) und die dadurch ausgelöste Gegenreformation brachte neue Unruhen ins Land. Die späteren Wirren des verheerenden 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) mit den Folgen der dazu noch grassierenden Pest werden den Mut und Unternehmergeist der Menschen völlig gelähmt haben. Nicht nur ausländische, sondern auch deutsche Soldaten benahmen sich wie beutegierige Feinde und schlugen und peinigten die Bevölkerung in furchtbarster Weise. Den Bewohnern wurden unter Drohungen das Bargeld abgenommen, Plünderungen, Raub und Mord waren eine ständige Gefahr. Durch Hungersnot, Morde und Pest wurden Dreiviertel der Menschen in Deutschland dahingerafft.
Erst 70 Jahre nach dem großen Krieg wurde der Betrieb in der verfallenen Grube Wildberg wieder aufgenommen, ganz allmählich erholte sich das gebeutelte und geschundene Land. In Wildbergerhütte wurden die Erze in einer neu errichteten Hütte geschmolzen und Bergerhof entwickelte sich zu einer zentralen Ortschaft. Aber das Bergglück ist, wie die Alten sagten, ein "launisch Ding". Der Berg hat die Dörfer reich und arm und manche junge Frau zur Witwe gemacht. Der "Kux" machte oft verwegene Sprünge. Auch davon wissen die Alten ein Lied zu singen. Nachdem es noch einige Male ein Auf und Ab im Bergbau zu verzeichnen gab, wurde in der Wildberger Grube dann schließlich 1911 die letzte Schicht verfahren und damit, wie so oft in der 1000-jährigen Geschichte des Grubentales, die Bergbautätigkeit endgültig eingestellt.
Wildbergerhütte
entwickelte sich dank seiner zentralen Lage zum drittgrößten
Ort der heutigen Gemeinde Reichshof. Es entstanden Geschäfte und kleine
Betriebe mit aufwärtsstrebender Entwicklung, die neue Arbeitsplätze
schafften. Als sichtbares Zeichen der steten Erneuerung und des Vorwärtstrebens
ist zu verzeichnen, dass auf dem Gelände des alten Hüttenwerkes
heute der Produktionsbetrieb der Firma Wessel steht und als größter
Arbeitgeber des Ortes vielen Bewohnern Beschäftigung bietet.